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Eva Koťátková, Josef Hofer /AT/

Text kurátora


Eva Koťátková / CZ /, Josef Hofer / AT /
Rahmen und Rahmenbeschränkungen

 

Eva Kotátková, geb. 1982, studierte Malerei an der Akademie der Bildenden Künste unter Prof. Vladimir Skrepl. Sie war 2007 die Gewinnerin des „Jindrich-Chalupecký-Preises“. Im selben Jahr gewann sie den deutschen „Preis von Dorothea von Stetten für junge Künstler“.

Ihr bisher größter Erfolg war ihre Teilnahme an der Biennale für zeitgenössische Kunst in Venedig 2013. Ihre Installation „Asylum“ im Palazzo Enciclopedico fand große Beachtung und es gelang ihr damit der internationale Durchbruch.

 

Eva Kotátková hinterfragt systematisch soziale Institutionen, Situationen und Prozesse, welche die menschliche Persönlichkeit auf restriktiven Wegen formen bzw. verformen, sie auf eingrenzende Weise gestalten und verunstalten. Zu Beginn ihrer Arbeit hinterfragte sie auf kreative Art und Weise die Auswirkungen von sozialen Systemen, wie Bildung und Ausbildung, welche die Personen von außerhalb beeinflussen. In letzter Zeit wendet sie sich Themen zu, die die Persönlichkeit in ihrem Inneren verändern, wie Phobien, Angstträume, bedrückende Fieberdelirien (Phantasmata) oder Dämonen – Zustände, die zu Geisteskrankheiten führen können. In diesem Zusammenhang befasst sie sich auch mit dem Phänomen der Krankenhäuser, Institute und Asyle, untersucht deren Behandlungsmethoden und ihre Auswirkungen.

In ihrer Arbeit stellt sie die Frage nach der Gültigkeit des Terminus „Normalität“ und beschäftigt sich mit der Legitimität der Abhilfe, Umerziehung und Anpassung. Sie nimmt die für diese Menschen vorgegebenen Rahmenbedingungen und die Vereinheitlichung ihrer Schicksale aufs Korn. Sie beleuchtet die Gesellschaft, die wie ein Repressionsapparat mit ihrer gnadenlosen Kritik die freie Individualität dieser Menschen zerstört.

 

 

Josef Hofer zählt heute zu den anerkanntesten lebenden Art Brut-Künstlern. Die Collection de l’Art Brut in Lausanne organisierte für ihn Einzelausstellungen (2003, 2012), ebenso wie das Österreichische Kulturforum (2010). Seine Werke befinden sich in vielen öffentlichen und privaten Art Brut Sammlungen und sind in zahlreichen wichtigen Museen zeitgenössischer Kunst vertreten.

Der österreichische Künstler wurde im März 1945 mit einer geistigen und körperlichen Behinderung geboren. Er verbrachte seine Kindheit und Jugend von der Umwelt isoliert am elterlichen Bauernhof. Seit 1992 wohnt und arbeitet er in der Lebenshilfe in Ried im Innkreis. Dort besucht er seit 1997 die von der Kunsthistorikerin Elisabeth Telsnig betreute Malgruppe. Sie erkannte sein großes Talent.

Entscheidend für sein Kunstschaffen wurde die durch den Kauf eines Spiegels möglich gewordene Selbstentdeckung und daraus erfolgte Reflexion seines Körpers. Autoerotische Erfahrungen überträgt er mit narzisstischem Vergnügen auf das Papier. Er identifiziert sich einerseits mit seinem Spiegelbild, andererseits mit männlichen Aktfotografien. Er stellt die vorwiegend männlichen Torsi in aufgerissene Rahmen, die die Position der Figuren bestimmen, einengen und in unnatürlich manierierte Stellungen zwingen. Er wiederholt ein Thema in mehreren Serien, in denen sich die einzelnen Zeichnungen nur durch feine Nuancen unterscheiden.

Hofers Körperabbildungen beinhalten nichts vom Ideal antiker Schönheit. Aber ihre Gesten, die Kraft und Dynamik erzählen mehr von der quälenden Wonne als stilisierte erotische Aufnahmen und Bilder. Die Intensität seines künstlerischen Ausdrucks lässt die Grenzen zwischen akademischer und autodidaktischer Kunst, sowie den Werken „normaler“ und „beeinträchtigter“ Künstler verschwinden.

 

Die Ausstellung „Rahmen und Rahmenbeschränkungen“ ist vielmehr Evas Antwort auf das Schaffen von Josef Hofer denn ein gemeinsames Projekt. Nach ihrem Treffen in Ried entwickelte sie eine visuelle Reflexion auf den Körper und die ihm durch die Gesellschaft auferlegten Normen und Ideale, auf seine Freiheit und Beschränkung, auf den Körper als physisches Vorhandensein des Menschen in der Welt, auf die durch das stetige Beweisen und Darstellen des Körpers sich bestätigende Existenz. Josef Hofer zeigt sich in der Konfrontation der Installation und Videokunst Eva Kotátkovás nicht als Opfer des Systems, sondern paradoxerweise als triumphierende Figur, die durch die Entwicklung eines eigenen Schaffens eine innere Freiheit erreicht hat, die die restriktiven Rahmenbeschränkungen ihres Daseins ignoriert.

 

Terezie Zemánková


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