Past exhibitions
That Dreams of Awakening
Carola Ernst
CONVERTER
Wie ein Geist unter Geistern wandelt der Besucher durch die Ausstellung Converter von Carola Ernst. Die Berliner Künstlerin inszeniert in den Räumen des Kunstvereins Kabinet T. in Zlin ein „panoptisches Reich“ aus Licht, Schatten und Reflexionen, in denen sich ihre Bildwerke und Skulpturen gleichsam manifestieren wie aufzulösen scheinen. Der Besucher ist kein unbeobachteter Beobachter, sondern wird von den Werken, die selbst Licht, Schatten und Spieglungen werfen, unmittelbar getroffen, was seine Präsenz wiederum in diesen unterschiedlichen visuellen Ebenen sichtbar macht. Die erfahrenen und evozierten optischen Umwandlungen integrieren ihn in die physisch-ephemere Wesenswelt von Ernst.
Die Künstlerin bindet standortbezogen die reflektierende Oberfläche des versiegelten Ausstellungsbodens in die von ihr gestaltete Lichtdramaturgie ein. Die Position eines einfachen Baustrahlers – wie sie ihn während ihrer Streifzüge durch die Stadt Zlin immer wieder sah - tariert Ernst so aus, dass der Boden Wasserreflexen ähnelnde, geschlängelte Lichtspiegelungen an die Wand wirft. Das Ernstsche Reich gebärdet sich wie der in Legenden und Sagen beschriebene Glaspalast des alttestamentarischen Königs Salomo. Gleich Königin Saba, möchte man in Anbetracht dieser transparent reflektierenden Effekte den ‚Rock’ heben, um das scheinbare Wasserbecken zu betreten. Die Königin wird im Zuge dieser Täuschung als Flaschengeist entlarvt. Auch der Besucher in Zlin erschiene wohl dem Salomo dieser Ausstellung zunächst in Fleisch und Blut, wobei mit Eintritt in die Räumlichkeiten das Geisterhafte, Jenseitige und Immaterielle der menschlichen Existenz erfahrbar wird. Der Converter, der Umwandler, ist die Ausstellung als gedachter Glaspalast.
Das Durchdringen von räumlichen Grenzen und die Auslotung beziehungsweise Aufhebung der Polarität von materieller Anwesenheit und immaterieller Abwesenheit ist eine Thematik, die sich durch die Werke von Carola Ernst ziehen. So sind Objekte wie Phönix (2013) und Superluminar Monument (2013) aus alltäglichen Fundstücken zusammengesetzt und scheinen doch nicht von dieser Welt. Teilweise wird der Besucher auch hier über Tromp l’oeil-artige Bemalung über das reale Material getäuscht. In der Gesamtkomposition entstehen Anmutungen von fremd-vertrauten Wesen und Trophäen jenseitiger Mächte.
In Ernst expressiven Wandgemälden überlagern sich gegenständliche Bilder zu abstrakten Strukturen. Mit versenkender Betrachtung finden sich immer neue Bildräume, die ihn ihrer Gleichzeitigkeit wie die medialen Bilder unserer Informationsgesellschaft einerseits überfordern, anderseits wie in einem hypnotischen Sog absolute Konzentration bewirken – in der Unendlichkeit der Flut konkreter und imaginärer Bilder.
Infinite/Unendlich (2013) heißt dann auch die Kernarbeit der Künstlerin, die sie widmet an vertraute Menschen wie an Alle, die sie im Leben gesehen hat; und an den Traum, „da dort eine Welt aus diesem Ganzen entsteht.“ Der Traum wird von ihr somit als Realitätsebene ernst genommen, in der das bewusste und unbewusste Schauen gleichberechtigte Visualisierungen hervorbringt.
Die Werke von Carola Ernst erscheinen als Materialisierungen und Spiegel dieser durchdrungenen Seinswelten.
Cora Waschke